Für den Empfang eines Briefes zu bezahlen erscheint heute ungewöhnlich. In Großbritannien war es lange üblich. Die Gebühr richtete sich unter anderem nach Entfernung und Anzahl der Papierbögen. Ein zusätzlicher Bogen konnte den Preis deutlich erhöhen.
Menschen nutzten den Platz deshalb gründlich aus, schrieben quer über bereits beschriebene Seiten oder vereinbarten Zeichen auf der Außenseite. Die eigentliche Nachricht ließ sich manchmal erkennen, ohne den kostenpflichtigen Brief anzunehmen.
Eine andere Art, Porto zu berechnen
Der Lehrer und Reformpolitiker Rowland Hill untersuchte in den 1830er-Jahren die Postorganisation. Sein Vorschlag war ein niedriger, einheitlicher Tarif nach Gewicht statt komplizierter Entfernungsberechnung. Der Absender sollte im Voraus zahlen.
Ein kleines aufgeklebtes Wertzeichen konnte diese Zahlung sichtbar machen. Die Reform erforderte nicht nur ein neues Stück Papier, sondern einen anderen Ablauf: Das Geld musste nicht mehr bei jeder Zustellung beim Empfänger eingezogen werden.
Die Briefmarke von 1840
Im Mai 1840 erschien die Penny Black mit dem Profil der jungen Königin Victoria. Sie kostete einen Penny. Frühe Marken waren noch ungezähnt und mussten mit der Schere getrennt werden. Die maschinelle Zähnung setzte sich erst später durch.
Die schwarze Farbe erschwerte den Umgang mit Entwertungsstempeln und die Verhinderung erneuter Verwendung. Bereits 1841 folgte die Penny Red. Der Markenname Penny Black blieb als Bezeichnung eines entscheidenden Schritts in der Postgeschichte erhalten.
Was sich für Briefe änderte
Nach der Reform nahm der Briefverkehr deutlich zu. Nachrichten an entfernte Angehörige wurden für mehr Menschen erschwinglich. Auch Umschläge wurden praktischer: Wenn vor allem das Gewicht zählte, war ein gesonderter Umschlag nicht mehr automatisch ein zusätzlicher kostenpflichtiger Papierbogen.
Andere Postverwaltungen übernahmen das Prinzip. 1843 erschienen beispielsweise Marken in einigen Schweizer Kantonen und in Brasilien. Das Modell verbreitete sich anschließend weit über Europa hinaus.
Mehr als ein Sammlerstück
Die Penny Black ist trotz ihres Alters nicht grundsätzlich selten: Es wurden Millionen Exemplare gedruckt. Zustand und Besonderheiten unterscheiden einzelne Stücke erheblich.
Historisch besonders interessant ist die Verbindung aus einfacher Preisregel und Vorauszahlung. Der Wechsel der Frage, wer wann bezahlt, machte einen bestehenden Dienst leichter nutzbar. Die kleine Marke war das sichtbare Zeichen dieser organisatorischen Veränderung.





